ENL-Projekt "Betreuung von Wiesenbrüterschwerpunktgebieten in Thüringen"

Das Projekt wurde am 30.09.2012 erfolgreich abgeschlossen.

Die Vögel der Agrarlandschaft (Kiebitz, Wachtelkönig, Bekassine, Rebhuhn usw.) befinden sich in einem stetigen Rückgang. Dies wird im Statusbericht „Vögel in Deutschland 2009“ (1) mehr als deutlich, denn seit 1980 ist ein Rückgang dieser Vögel von 48% zu verzeichnen. Gängige Fördermaßnahmen (z.B. KULAP), die allein auf die landwirtschaftliche Extensivierung (reduzierter Dünger- und Pestizideinsatz, Mahd- und Beweidungsauflagen) in Wiesenbrütergebieten abstellen, reichen nicht aus. Erfolgsaussicht bietet eine Aufwertung der Flächen durch Wiedergewinnung eines naturnahen Wasserregimes. Zur Verbesserung der Situation ist eine gezielte naturschutzfachliche Beratung von Landwirtschaftsbetrieben und Flächenbewirtschaftern notwendig. Wie Erfahrungen aus Österreich zeigen, nehmen dank Beratung deutlich mehr Landwirte an speziellen Naturschutzmaßnahmen teil (36 % der Landwirte) als ohne Beratung (nur 5 %)(2). Eine kompetente Beratung erhöht also die Akzeptanz bei den Landwirten für Naturschutzbelange und Förderprogramme des Naturschutzes, verbessert die Effektivität bei der Anwendung von Förderprogrammen und verringert die Anlastungsrisiken für Landwirte bei der Beantragung von Agrarumweltprogrammen. Diese Beratung wird verbunden mit dem Angebot an die Landwirtschaftsbetriebe, den Rückbau von Meliorationseinrichtungen, die aktive Wiedervernässung  und die Anlage von ephemeren (nicht dauerhaft mit Wasser gefüllt) und dauerhaften Kleingewässern umzusetzen.

Ziele

Ziel des Projektes ist es, ehemals trockengelegtes Grünland in Wiesenbrütergebieten wieder in Feuchtgrünland zu überführen bzw. Feuchtbiotope entstehen zu lassen, damit neue Nahrungsquellen und ökologische Nischen entstehen. Mit diesem Projekt werden von der EU geschützte Vogelarten bzw. vom Aussterben bedrohte Vogelarten unterstützt.

 Projektziele:

  • Die Erstellung von Nutzungskonzepten für mindestens fünf ausgewählte Schwerpunktgebiete der Wiesenbrüterförderkulisse des Freistaates Thüringen mit Vorbereitung realisierbarer Bewirtschaftungsvereinbarungen.

  • In fünf unterschiedlichen Projektgebieten Verbesserung in Richtung eines naturnahen Wasserregimes durch Rückbau von Meliorationseinrichtungen auf insgesamt 35 ha.
  • Mindestens 30 dauerhafte oder ephemere Kleingewässer mit einer Gesamtgröße von 3 ha auf geeigneten Flächen in den ausgewählten Wiesenbrüterschwerpunktgebieten anzulegen.
  • Errichtung von 15 Nisthilfen, insbesondere für Weißstörche im Einzugsbereich der ausgewählten Wiesenbrüterschwerpunktgebiete.

Vorgehensweise

Für die Umsetzung der Projektziele ist folgende Vorgehensweise angedacht:
- Erarbeitung eines Maßnahmenplanes für jedes angestrebte Gebiet
- Abstimmung der Pläne mit den Behörden (TLUG, Untere Naturschutzbehörde,
   Untere Wasserbehörde und Landwirtschaftsamt)
- Abstimmung mit den Eigentümern
- Abstimmung mit dem Landbewirtschaftern
- Umsetzung der Maßnahmen

Projektergebnisse

Das inzwischen abgeschlossene Projekt kann als sehr erfolgreich bezeichnet werden.

Die meisten der gesteckten Ziele wurden nicht nur erreicht, sondern sogar übererfüllt:

  • In 5 Gebieten wurden Maßnahmen geplant und mit Vorhabensbeteiligten abgestimmt und in 4 Gebieten durchgeführt.
  • Im Zuge dieses Projektes wurden in diesen 4 Wiesenbrütergebieten 39 Kleingewässer von 500 bis 1.500 m² gebaut. Die geschaffene Gesamtwasserfläche beträgt ca. 1,75 ha.
  • 25 Grabenstaue wurden angelegt.
  • Auf 1,7 km Länge wurden Entwässerungsgräben verfüllt.

Im Ergebnis dieser Maßnahmen wurden auf ca. 35 ha Wiedervernässungen initiiert, die zu einer deutlichen Verbesserung des naturschutzfachlichen Wertes der Feuchtwiesen hin zu einem naturnahen Wasserregime führte. Dies belegen die Effizienzkontrollen aus dem Jahr 2012, die schon im ersten Jahr der Wiedervernässung bemerkenswerte Ergebnisse bei der Vogelwelt und den Amphibien zeigten. Gerade diese Ergebnisse stimmen optimistisch, dass ambitionierte Ziele der Thüringer Biodiversitätsstrategie mit den geeigneten Maßnahmen und den vorhandenen Förderinstrumentarien erreicht werden können.

Darüber hinaus wurden 4 Storchennisthilfen installiert und für weitere 11 die Vorplanung abgeschlossen. Letztere sollen im Rahmen eines Folgeprojektes installiert werden.

Das DVL-Projekt verdeutlichte, dass in Thüringen mit Hilfe von ENL-Projekten Naturschutzmaßnahmen im engen Zusammenwirken von Landwirtschaft und Naturschutz erfolgreich umsetzbar sind.

Stand des Projektes

Projektbeginn: 07.02.2011
Projektabschluss: 30.09.2012


Kontakt

DVL-Bundesgeschäftsstelle
Promenade 9
91522 Ansbach

Telefon: +49 981/180099-0
Telefax: +49 981/180099-30
E-Mail: info(at)lpv.de

Crawinkel: Es geht los! (Foto: Sollmann)
neu angelegter Tümpel (Foto: Sollmann)
... nach 1 Jahr (Foto: Sollmann)
Verbund der Kleingewässer (Foto: Sollmann)
Luftbildaufnahme (Foto: D. Stremke)

Gefördert von

Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen
Freistaat Thüringen

Das Projekt wird/wurde über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht. Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) · Projektbüro Thüringen
Alfred-Hess-Straße 8 · D-99094 Erfurt
Tel.: (0361) 302 58 26 · Internet: thueringen.lpv.de